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 Haus zum Stockfisch
 Stadtmuseum Erfurt



 

Die Vorderansicht des Stadtmuseums
Aufnahme von 1999

Unsere Hausgeschichte

Das Haus zum Stockfisch liegt außerhalb des Altstadtkerns, aber innerhalb der Stadtbefestigung. Man vermutet, dass aus fortifikatorischen Gründen bis zum Bau des äußeren Befestigungsringes im 15. Jahrhundert eine Bebauung auf der Ostseite der Johannesstraße nicht zugelassen wurde.

Vor dem heutigen traufständigen Haus existierte ein gotischer giebelständiger Vorgängerbau. Diesen muss man sich neben anderen gleich aussehenden schmucklosen, mit steil aufragenden Dächern versehenen Häusern vorstellen. Bereits damals tauchte der Name "Zum kleinen und großen Stockfisch" auf. Stockfische waren im Mittelalter und in der Neuzeit ein beliebtes Fernhandelsgut - getrocknete Meeresfische.

Der Waidhändler und Biereige Paul Ziegler lies 1607 auf einem mittelalterlichen Keller ein attraktives Wohn- und Geschäftshaus, dem Zeitgeschmack der Spätrenaissance entsprechend, bauen.

Die Realisierung des Bauvorhabens zog sich etwa ein halbes Jahrhundert hin. Ursachen dafür werden im frühen Tod des Bauherren, dem Konjunkturrückgang des Waidhandels im 17. Jahrhundert und in den Schäden des 30jährigen Krieges liegen.

Der gestalterische Aufwand beim Umbau lässt das Haus zum Stockfisch zu einem bedeutenden Baudenkmal der
Spätrenaissance in Erfurt werden.
Die gesamte Erdgeschosszone ist mit einer Art Schachbrettmuster aus hervorspringenden und zurückstehenden Steinquadern gestaltet, zum einen zugespitzt, zum anderen mit Beschlagwerk ornamentiert. Der zweigeschossige Erker mit Ziergiebel und das Portal sind prächtig geschmückt.

Detail des Schachbrettmusters Detail des Schachbrettmusters Detail des Schachbrettmusters Detail des Schachbrettmusters



Einschränkend muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass die Fassadengestaltung wahrscheinlich von geschickten Handwerkern aus vorgefertigten Bauteilen nach Vorlagebüchern zusammengesetzt wurde. Über dem Portal befindet sich eingerahmt das Hauszeichen - ein Fisch, der keiner Spezies zugeordnet werden kann.


Das Portal des Stadtmuseums vor der Restaurierung und Farbgestaltung
Portal mit Hauszeichen vor Restaurierung und Farbgestaltung



Die Wappen der Erstbesitzerfamilien Milwitz und Ziegler wurden am Erker platziert.
Oberhalb der Eingangstür fügte man die Wappen einstiger Besitzer ein:

Wappen der Familie Gerstenberg Wappen der Familie Brückner Wappen der Familie Stolze Wappen der Familie Hofmann
Fam. Gerstenberg ab 1697 Fam. Brückner ab 1723 Fam. Stolze ab 1817 Fam. Hofmann ab 1836


Ende des 17. Jahrhunderts wurde das "Haus zum Stockfisch" an Georg Heinrich und Johann Heinrich Gerstenberg verkauft. In den nächsten Jahren erfolgte ein häufiger Besitzerwechsel. Im 17. und 18. Jahrhundert nahmen die Eigner kaum nutzungsbedingte Änderungen vor, aber ein Teil der Innenräume wurde barock umgestaltet.
Größere Bauveränderungen im Innenraum und im Hofgelände erfolgen im 19. und 20. Jahrhundert. 1836 erwarb der Lederfabrikant Heinrich Hermann Hofmann das Haus. Seine Lederverarbeitung sowie die nachfolgenden Nutzungen als Mantelfabrik und Weingroßhandlung brachten Veränderungen zu Gunsten der Fabrikationsbedürfnisse mit sich.

Ansicht des Hauses zum Stockfisch vor 1900
Haus zum Stockfisch vor 1900


1905 kaufte die Stadt Erfurt das "Haus zum Stockfisch" und brachte hier die kunstgewerbliche Sammlung unter. Seit 1922 standen dem Museum für Naturkunde erste Räume zur Verfügung. Während der zwanziger Jahre befanden sich hier das Standesamt, eine Bücherei und Wohnungen.

Ansicht der Johannesstraße 169 zwischen 1900 und 1905
Johannesstraße 169 zwischen 1900 und 1905


Das Naturkundemuseum war von 1947 bis 1965 im Haus untergebracht. Danach wurde das Gebäude dem neugegründeten Museum für Erfurter Stadtgeschichte zugeordnet. Dieses eröffnete 1974 seine erste Ausstellung zur Erfurter Geschichte von 1500 bis in die siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts.

Das Stadtmuseum in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts
Museum für Stadtgeschichte siebziger Jahre 20. Jahrhundert


Zwei große Sanierungen wurden in den letzten sechzig Jahren durchgeführt, 1957 und 1992-94. Nach mehrjährigen Vorarbeiten erfolgte 1998 die Rekonstruktion der Fassadenfarbfassung.

Seit Mai 2012 präsentiert das Museum unter dem Titel "Tolle Jahre - An der Schwelle der Reformation" die Thüringer Metropole wie sie auch Martin Luther erlebte und seit November 2012 kann sich der Gast in dem Projekt "Geschichtswerkstatt. Rebellion, Reformation, Revolution" mit den Ereignissen der Reformation und deren Auswirkungen bis heute auseinandersetzen.
Im Keller erhalten die Museumsgäste während der Ansicht eines 20minütigen Filmes einen Überblick über die Stadtwerdung und -entwicklung Erfurts.
Einblicke in die Stadtentwicklung der letzten zweihundert Jahre erhält der Museumsgast im zweiten Obergeschoß.



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