Geschichte der Burg
Der Ort Kapellendorf wird anlässlich einer Schenkung an das hessische Reichskloster Fulda im August / September 833
erstmals urkundlich erwähnt. Das Dorf war damals im Besitz eines Grafen Asis und seiner Brüder Liutpraht und Gozpraht.
Die durch ihre Schenkung am Ort feststellbaren Besitzverhältnisse, der auf das Grundwort "-dorf" gebildete Ortsname und
die bislang geborgenen archäologischen Funde lassen erkennen, dass Kapellendorf im Laufe des 8. Jahrhunderts auf
Veranlassung eines Vorfahren der drei adligen Schenker von 833 gegründet worden war und dass die ersten Siedler aus dem
ostfränkischen Grabfeld kamen. Gleichzeitig mit der neuen Siedlung wurde auch eine Kirche gegründet, die zu den ältesten
Gotteshäusern in Thüringen zählt. Dass der Ort selbst nach der Kirche "capellendorf" genannt wurde, unterstreicht ihren
besonderen Rang.
In der Mitte des 12.Jh. errichteten die Burggrafen von Kirchberg die erste steinerne Burganlage zum Schutz der nahe
gelegenen Handels-, Kupfer- und Weinstraße, von der uns heute noch Reste der Wehrmauer, des Palas und der Stumpf des
Bergfried beim Betreten des Burghofes begrüßen.
Burggraf Dietrich III. von Kirchberg gründete im Jahre 1235 an der Pfarrkirche Kapellendorfs ein Zisterzienserinnenkloster.
Im Jahre 1348 verkauften die Burggrafen ihre Stammfeste an die Stadt Erfurt. Noch im Teil der romanischen Burganlage
errichtete man eine Kemenate und eine Kaminküche mit seltenen, freistehenden Rauchfang.

In eine die Kernburganlage umschließende äußere Ringmauer setzte man zur Verteidigung den sog. Katzenaugenturm, den
Verliessturm und weitere Schalentürme. Im Burginnenhof, im Schutze der gewaltigen Wehrmauer, standen Wirtschaftsgebäude.
In alten Urkunden als Korn-, Fleisch-, Malz- und Brauhaus nach ihrer Funktion genau unterschieden.
Die Burganlage, umgeben mit Wassergraben und Wall, war zugänglich über ein Torhaus mit Zugbrücke an der Südseite. 1527
endet das klösterliche Leben in Kapellendorf. Die Kirche des Ortes dient seither wieder ausschließlich als Pfarrkirche.
1599 gab es den größten Brand in der Burg.
Nach der Verpfändung im Jahre 1508 und dem Verzicht 1664 Erfurts erfolgten mit der Einrichtung eines Rent- und
Justizamtes weitere Umbauten.

1806 befand sich hier während der in unmittelbarer Nähe stattfindenden Schlacht von Jena und Auerstedt das preußische
Hauptquartier.
In den Oktobertagen des Jahres 1806 wurde die Burg zum Hauptquartier eines Teils der preußischen Truppen unter Fürst zu
Hohenlohe-Ingelfingen. Das Rückzugsgefecht in Kapellendorf ging als letztes Gefecht der Doppelschlacht bei Jena und
Auerstedt in die Geschichte ein.
1919/20 wurde die Burg durch einquartierte Reichswehrsoldaten verwüstet. 1922 gelangte sie in Privathand und 1933
übernahm sie die Stadt Erfurt.
Seit dem 1. Januar 1998 ist die Burg im Besitz der Stiftung "Thüringer Schlösser und Gärten", die sich um die weitere
Sicherung und Nutzung der Anlage bemüht.
