Luftschutzkeller in Erfurt

60 Jahre nach Kriegsende bietet das Erfurter Stadtmuseum die Besichtigung eines originalen Luftschutzkellers in der
denkmalgeschützten Altstadt an.
Dieser Keller wurde im Jahr 2005 auf der Grundlage des Ratsbeschlusses Nr. I 107/ 2004 vom 15. Dezember 2004 als
Besichtigungsobjekt hergerichtet und in seiner Ausstattung nach den damaligen Luftschutzvorschriften wieder ergänzt.
Die Schrecken des Bombenkrieges, der von den Nationalsozialisten provoziert wurde, können an authentischer Stelle in
eindrucksvoller Weise auch akustisch nachvollzogen werden. Dem Besucher wird in diesem Luftschutzkeller deutlich welches
Leid der größenwahnsinnige Hitler und seine Gefolgsleute auch der deutschen Zivilbevölkerung zugemutet haben. Allein in
Erfurt gab es nach 25 Luftangriffen rund 1500 Bombenopfer sowie zahlreiche zerstörte Wohnungen, Industriebetriebe und
bedeutende Kulturdenkmale. Dabei ist die jetzige Thüringer Landeshauptstadt noch vergleichsweise glimpflich davon gekommen.
Nur dem schnellen Vorrücken der amerikanischen Bodentruppen unter den Generälen Bradley und Patton Anfang April 1945 ist
es zu verdanken, daß es nicht mehr zu dem für den 2./ 3. April geplanten Flächenbombardement kam.
Als Besichtigungsobjekt ist dieser Luftschutzkeller von besonderer Bedeutung für unsere Geschichtsaufarbeitung und
–bewältigung, für in- und ausländische Gäste, insbesondere aber für Schulklassen die hier sehr anschaulich mit ihren
Lehrern lebendigen Geschichtsunterricht absolvieren können.
Der 1938 zum Luftschutzkeller umgebaute spätmittelalterliche Hauskeller ist vom neu gestalteten Kreuzhof des ehemaligen
Wigbertiklosters in unmittelbarer Nähe der Fußgängerzone am Anger zu erreichen.
Bitte beachten. Besichtigung ausschließlich nach Voranmeldung möglich!
Er ist einer der wenigen in Erfurt und Thüringen noch erhaltene Schutzräume aus der Zeit des Nationalsozialismus mit
vorschriftsmäßiger Raumaufteilung und originalen Ausrüstungsteilen. Er entspricht dem deutschen Schutzraumtyp der
dreißiger Jahre wie sie in den Gewölbekellern der historischen Altstädte ausgebaut wurden. Dieser Keller war als Schutzraum
für maximal 50 Personen vorgesehen.
In Erfurt gab es zum Kriegsende 70 „öffentliche Sammelschutzräume“. Das entspricht nur der Hälfte der geplanten 10 % für
140.000 Einwohner.
Nachdem der größte Teil der in Erfurt noch vorhandenen Luftschutzkeller dem Sanierungsboom nach 1989 zum Opfer fiel ist
dieser ehemalige Luftschutzkeller als einziger wieder hergerichtet und begehbar.
Dieser ehemalige Luftschutzkeller mahnt die Folgen von Diktatur und Krieg und steht für Frieden und Toleranz.
Karsten Grobe
Erfurt, am 14.07.2005
