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 Haus zum Stockfisch
 Stadtmuseum Erfurt



 

Technisches Denkmal und Museum "Neue Mühle"

Vorderansicht des Museums Neue Mühle

Inmitten des alten Stadtkerns von Erfurt, unweit des Rathauses und malerisch am Fluss Gera gelegen, befindet sich die "Neue Mühle" - ein attraktiver Gesamtkomplex von mittelalterlicher Vermahlungstechnik bis hin zu den Anfängen der Industriemüllerei im 19./ 20. Jahrhundert.

Auf vier Etagen sind Mahl- (Walzenstühle), Sieb- (Plansichter) und Reinigungsmaschinen (z. B. Trieur), Transporttechnik (Elevatoren), Lagerbehältnisse und entsprechendes Werkzeug der Müller und ihrer Gesellen zu sehen. Originale Gebrauchs- und Abnutzungsspuren lassen die körperlichen Anstrengungen bei der schweren Arbeit in der Mühle erahnen.

Im Erdgeschoss mit dem überdachten Wasserradhaus und dem 1896 eingebautem Zuppinger-Rad (benannt nach einem Schweizer Ingenieur) befinden sich neben einer Mehlabsackanlage, der eindrucksvolle Antrieb und die Kraftübertragung, das sogenannte Vorgelege. Mächtige Wellen und Kammräder aus Hartholz - deren Schmierung übrigens auch jetzt noch mit Bienenwachs erfolgt - übertrugen die Energie der Drehung auf die Transmissionsanlage mit den Riemenscheiben und Lederriemen. Etwa 3.000 Liter Wasser in der Sekunde waren vonnöten, um die gesamte Mühlentechnik in Bewegung zu bringen.

Der in der Mühle noch vorhandene spätmittelalterliche Schrotgang kann leider auf Grund der hohen Abnutzung nur noch an einigen Tagen im Jahr laufen und zugleich werden den Museumsgästen der Mahlvorgang und die einzelnen Arbeitsschritte mit praktischer Vorführung erläutert. Das dabei entstehende Schrot wird dann als Futter an den Thüringer Zoopark oder andere Interessenten abgegeben.

Modellansicht einer Mühle

Heute, da die alte Technik nicht mehr gebraucht bzw. nur noch zu besonderen Anlässen in Gang gesetzt wird, nutzt das Mühlenmuseum seit 1996 die nach wie vor vorhandene Wasserkraft für die alternative Energieerzeugung: Wasserrad und Turbine mit etwa einer Gesamtleistung von ca. 30 PS erzeugen Strom, der sowohl in der Mühle selbst verbraucht als auch an die Stadtwerke Erfurt verkauft wird. Auf einem Schema kann diese regenerative Energieerzeugung anschaulich und verständlich verfolgt werden.

Die Dauerausstellung in der "Neuen Mühle" wird vervollständigt durch einen Sonderausstellungsbereich im geräumigen ehemaligen Mehllager. Dort findet man Funktionsmodelle von Mühlen, einen Lastenaufzug, der nur durch Wasserkraft auf- und abwärts bewegt wird sowie diverse technische Geräte und Maschinen aus Thüringer Mühlen.
Thematisch wechselnde Sonderausstellungen zur Mühlengeschichte Erfurts und anderer Regionen wie auch junge Kunst sind Schwerpunkte der Ausstellungstätigkeit im Mühlenmuseum.

Beim Rundgang auf der Außenanlage der Mühle (Freischleuse, Grobrechen, Fischtreppe) kann der aufmerksame Gast mit etwas Glück den wieder entstandenen Fischreichtum im Fluss mit seinen durchaus ansehenswerten Exemplaren beobachten.

Seit 1999 kann man durch eine Großverglasung in das Wasserradhaus der Neuen Mühle blicken. Ende Dezember 2006 wurde das 111Jahre alte Zuppinger - Wasserrad umfassend rekonstruiert. Starker Algen- und Moosbefall machten dies notwendig.

Die Besucher und Gäste der "Neuen Mühle" werden fachkundig bei den stündlichen Führungen über die vier Etagen des Hauses begleitet und können sich so vor Ort ein reales Bild einer ehemaligen Handwerkermühle machen oder auch Mühlenromantik pur erleben.

Die "Neue Mühle" ist ein Beispiel deutscher Mühlenbaukunst und ingenieurtechnischer Leistung. Sie zählt neben der Heiligen Mühle im Norden Erfurts zu den beiden letzten funktionstüchtig erhaltenen Mühlen. Es sind über 60 Mühlenstandorte im alten Stadtgebiet bekannt.

 

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