Mühlen- und Hausgeschichte
Erfurt war Jahrhunderte lang eine Stadt der Wassermühlen. Will man der Sage Glauben schenken, so war ein Müller Erph
oder Erpho an einer Furt der Gründer und Namensgeber der späteren Stadt. Industrialisierung und Kanalisierung der
Gewässer führten jedoch in der Neuzeit zum stetigen Rückgang der über fünfzig alten
Handwerkermühlen, so dass heute nur noch wenige Mühlen bzw. -relikte in Erfurt erhalten sind.
Urkundlich erwähnt wurde unsere Mühle bereits am 7. April 1259, als Graf Ernst von Gleichen diese als Lehen an einem
Erfurter Bürger übergab.
Als Grafen-, Hirsch- oder Martinsmühle mit wechselnden Eigentümern und Pächtern - vorrangig vermögende Patrizierfamilien
- überstand sie Jahrhunderte.
1736 vernichtete ein großer Stadtbrand großflächig die Innenstadt und auch die damalige Mühle.
Bereits ein Jahr später erfolgte 30 m Fluss abwärts der Wiederaufbau unter dem seit dato gültigen Namen "Neue Mühle".
Drei Wasserräder trieben nun drei Paar Mahlsteine ("Steingänge") an. Mit der gegenüberliegenden Schlössermühle (bei
Luftangriffen 1944 zerbombt) bildeten beide Mahlmühlen "am langen Stege" ein eindrucksvolles und beispielgebendes
Ensemble der Mühlentechnik in Erfurt.

1837, exakt einhundert Jahre nach dem Neubau, wird erstmals ein Müller Namens Schenk, Besitzer der "Neuen Mühle". Ab 1867 gehörte die Mühle dem Müllermeister Karl Köhler. Während der Arbeitszeit des zuletzt genannten Besitzers erfolgte n zahlreiche Umbauten. So wurde beispielsweise das Mühlengebäude aufgestockt, 1896 ein fast 5 m großes unterschlächtiges Wasserrad eingebaut und damit drei ursprüngliche Antriebsräder ersetzt.

1950 verkauften die Nachfahren Köhlers die "Neue Mühle" an den Müllermeister Eduard Gruhn. Unter seiner Regie wurde 1951 eine Francis-Turbine zur Unterstützung bei Niedrigwasser eingesetzt. Diese Schachtturbine mit einer Leistung von etwa 16 kW wird seit einigen Jahren als Hauptteil einer regenerativen Kleinwasserkraftanlage für die Stromerzeugung bzw. den -verkauf an die Stadtwerke Erfurt genutzt.
Die am Breitstrom, einen Arm des Flusses Gera, gelegene Getreidemühle arbeitete ohne Unterbrechung bis zur Schließung
der Mühle im Jahre 1982. Der letzte Müllermeister, Heinrich Gruhn wechselte in diesem Jahr vom Berufsleben in den
Ruhestand.
Nach 10 Jahren, öffnete die Neue Mühle 1992 als Technisches Denkmal und Mühlenmuseum ihre Pforten für alle Geschichts-
und Technikfreunde.
Vor oder nach dem Museumsbesuch kann man sich in der Gaststätte "Kaffemühle"
stärken.
