Sonderausstellung bis 31. Januar 2010 verlängert!
"außen Quadrat - innen Biedermeier" Großstadt Erfurt 1918-1933

Blick in die Ausstellung
Die Weimarer Republik ist eine Zeit der Widersprüche. Assoziationen von moderner Kunst, Städtebauprojekten und Kinoklassikern wechseln
mit Bildern von politischer Gewalt, von Straßenkämpfen und Saalschlachten. Durch die krisengeschüttelte industrielle Massengesellschaft
gingen tiefe Risse, die mehrfach in blutigen Bürgerkrieg mündeten. Politischer Extremismus gewann die Oberhand, die 1929 einsetzende
Weltwirtschaftskrise erschütterte die Republik in ihren Grundfesten. Die 1918 auf den Trümmern des Kaiserreiches begründende erste
deutsche Demokratie ging so schon 1933 in der NS-Diktatur Hitlers unter. Dies charakterisiert auch die Entwicklung in der 130.000
Einwohner zählenden Großstadt Erfurt.
Die Zerrissenheit jener Zeit spiegelt sich nicht zuletzt im Bereich von Kunst und Kultur. Den bahnbrechenden Neuerungen schlug oft genug
Unverständnis und Ablehnung entgegen. Der niederländische Künstler und Architekt Theo van Doesburg hat dies unter Bezug auf das 1919 in
Weimar gegründete Bauhaus auf die Formel “Außen Quadrat - Innen Biedermeier” gebracht. Kaum eine kulturelle Kontroverse zeigt dies
deutlicher, als die “Erfurter Museumsfrage”. Erfurt stand nicht nur in engem Austausch mit dem Bauhaus, sondern entwickelte sich selbst
zu einem nationalen Brennpunkt moderner Kultur. Das heutige Angermuseum konnte unter den Direktoren Edwin Redslob, Walter Kaesbach und
Herbert Kunze dank der Unterstützung des jüdischen Schuhfabrikanten Alfred Hess eine bedeutende Sammlung des Expressionismus aufbauen,
die es freilich schwer hatte gegen den tradierten “biedermeierlichen” Kunstgeschmack. Die üble Hetze gegen das Museum und den „jüdischen
Kulturbolschewisten“ Hess verweist zudem auf das politische Spannungsfeld, in dem sich die “klassische Moderne” der 1920er Jahre bewegte.

sog. Hanseviertel im Johannesviertel
Mitte der 20er Jahre gebaut
Zugleich hat auch der Städtebau der “Goldenen Zwanziger” mit großen Projekten wie Nordbad und Stadion für Furore gesorgt. Eine Reihe von öffentlichen Bauten und Wohnungsbaukomplexen wie im Hanse-Viertel zeigen zudem, das in Erfurt die Ideen des Bauhauses, anders als in Weimar, auf breiter Front architektonisch-städtebaulich umgesetzt wurden. Aber auch in Erfurt lebten hinter so mancher quadratisch-nüchternen Bauhausfassade Menschen mit biedermeierlichen Vorstellungen, hatten das “neue Bauen” und Wohnen mit vielen Vorbehalten zu kämpfen. Zugleich verkörperte Erfurt in Thüringen modernes Großstadtleben. Das ausgebaute Kaufhaus Römischer Kaiser am Anger (Anger 1) steht für den modernen Massenkonsum der 1920er Jahre, in den Kinos, Hotels, Restaurants und Varietés herrschte Hochbetrieb, das Leben pulsierte in der alten Metropole Thüringens. Auch dies stieß nicht nur auf Begeisterung, sondern erzeugte Kulturpessimismus und Moderne-Ängste.
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| Erfurter Nordbad im angrenzenden Nordpark
ab 1923 gebaut Viele der beteiligten Arbeiter waren Erwerbslose, die zu sog. Notstandsarbeiten eingesetzt wurden. |
Kaufhaus "Römischer Kaiser" am Anger 20er Jahre 20. Jh. |
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| Ausstellungsplakat
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Blick in die Ausstellung |
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| Blick ins Museumskino
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Museumsdirektor Herbert Kunze - 1929, Leihgabe Angermuseum 20er Jahre |





