Der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma

Ausstellungsplakat
Über 500.000 Sinti und Roma wurden im nationalsozialistisch besetzten Europa ermordet.
Die Ausstellung vom Heidelberger Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma ist im Erfurter Stadtmuseum vom 22. Februar
bis zum 13. April 2008 zu sehen. Sie dokumentiert erstmals den nationalsozialistischen Völkermord an Sinti und Roma: von der stufenweisen
Ausgrenzung und Entrechtung im Deutschen Reich bis zur systematischen Vernichtung im besetzten Europa.
Durch die gesamte Ausstellung zieht sich das Spannungsverhältnis zwischen Verfolgungsapparat einerseits sowie Alltag und Normalität der
Minderheit andererseits.
Sinti und Roma leben bereits seit vielen Jahrhunderten in Europa. In den einzelnen Ländern bilden sie alteingesessene und historisch
gewachsene Minderheiten. In Deutschland bezeichnet man sie als "Sinti", in Ost- und Südosteuropa - wo die Zahl weitaus größer ist -
als "Roma". In Frankreich spricht man von "Manouche", in Spanien von "Gitanos". "Sinti und Roma" ist also eine Sammelbezeichnung, die
eine Vielzahl von Gruppen umfasst. Hingegen ist der Begriff "Zigeuner" eine Fremdbezeichnung, die von vielen angehörigen der Minderheit
als diskriminierend abgelehnt wird.
Anhand von sprachwissenschaftlichen Untersuchungen konnte nachgewiesen werden, dass die ursprüngliche Herkunft der Sinti und Roma in
Indien liegt, denn ihre Sprache, das Romanes, ist verwandt mit der altindischen Hochsprache Sanskrit. Im Laufe der Jahrhunderte
entwickelten sich in den jeweiligen Heimatländern der Sinti und Roma eigene Romanes - Sprachen, so auch im Fall der deutschen Sinti.
Das Romanes wird innerhalb der Familien neben der jeweiligen Landessprache als zweite Muttersprache verwendet.

Elisabeth Emmler mit ihren Kindern. ie alle wurden in Auschwitz ermordet.
Foto: Dokumentations- und Kulturzentrum deutscher Sinti und Roma
Die Lebenswirklichkeit der Sinti und Roma muss grundsätzlich von den jahrhundertealten - teils bösartigen, teils romantischen -
Klischees über "Zigeuner" unterschieden werden. Auch die Nationalsozialisten griffen diese stereotypen in ihrer Propaganda auf, um damit
die Verfolgungsmaßnahmen gegenüber Sinti und Roma zu legitimieren - wie auch die Verfolgung der Juden mit antisemitischen Unterstellungen
begründet wurde.
Zwar wurden Sinti und Roma über Jahrhunderte diskriminiert und verfolgt, doch parallel zur Politik der Ausgrenzung hat es gerade auf
regionaler Ebene vielfältige Formen eines normalen und friedlichen Zusammenlebens von Minderheit und Mehrheitsbevölkerung gegeben. Vor
1933 waren die deutschen Sinti und Roma als Nachbarn oder Arbeitskollegen vielfach in das gesellschaftliche Leben und in die lokalen
Zusammenhänge integriert. Viele hatten im Ersten Weltkrieg oder schon zuvor in der kaiserlichen Armee gedient und waren hoch dekoriert
worden. Dies gilt auch für Sinti und Roma in anderen europäischen Ländern.
Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde diese Normalität des Zusammenlebens systematisch zerstört. Auf Grundlage der
Rassenideologie wurden Sinti und Roma schrittweise entrechtet, ihrer Lebensgrundlage beraubt und schließlich in Vernichtungslager
deportiert.
In 19 Ausstellungsschwerpunkten werden Leben und Sterben einer Minderheit nachgezeichnet.
Alle Fotos und Dokumente auf der vorderen Ebene stammen von Tätern und spiegeln die Perspektive der Mörder wider. Auf der hinteren Ebene
hingegen befinden sich die wenigen erhaltenen alten Privatfotos, die aus dem Besitz der Minderheit selbst stammen. Sie zeigen die
Menschen nicht als namenlose Masse, sondern als Individuen.
Die Begleitveranstaltungen zur Ausstellung finden sie im Veranstaltungskalender unserer Homepages.
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| Eine Mitarbeiterin der "Rassehygienischen Forschungsstelle" bei der Untersuchung einer Sintizza Foto: Bundesarchiv |
März 1943: Deportation der Remscheider Sinti und Roma nach Auschwitz Foto: Stadtarchiv Remscheid |


