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BONIFATIUS - zwischen Heidenopfern und Christuskreuz

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Abbildung eines Kammes

 Ausstellung zum 1250. Todestag des bedeutenden Missionars 

In der Sonderausstellung "Bonifatius - zwischen Heidenopfern und Christuskreuz" berichten archäologische Quellen und einmalige Schriftdokumente über die germanische Götterwelt, die Christianisierung Thüringens und dem Wirken des berühmten Missionars Bonifatius - dem "Apostel der Deutschen".
Am 5. September 2004 wurde die Ausstellung eröffnet und sie bleibt bis zum 21. November der Öffentlichkeit zugänglich.

Die Konfrontation heidnischer und christlicher Glaubensvorstellungen begann im Thüringer spätestens Anfang des 6. Jahrhunderts. Die Durchsetzung der christlichen Religion war ein langwieriger Prozess, der in drei Phasen verlief. In der ersten Phase fand durch die Verbindung des Thüringer Königshauses mit den Ostgoten das arianische Christentum Eingang in die führenden Adelsfamilien. Die zweite Phase prägten die fränkischen Eroberer. Insbesondere seit der Einrichtung militärischer Stützpunkte im Zuge der Eingliederung Thüringens in den fränkischen Staatsverband ab dem 7. Jahrhundert übermittelten die bereits christianisierten Franken verstärkt ihre katholischen Glaubensvorstellungen an die Thüringer.
Ausdruck dessen sind Grabfunde mit christlichen Zeichen. Die Verwendung christlicher Symbole setzt überwiegend die Kenntnis um ihre Glaubenskraft voraus. Sie sollten ihren Besitzer schützen und ihm Kraft verleihen. Andererseits fanden sich auch zahlreiche heidnische Elemente. Diese Vermischung von christlichem und heidnischem Gedankengut nennt man Synkretismus. Er ist das charakteristische Phänomen dieser Zeit und überdauerte Jahrhunderte. Die Bewohner gaben nur zögerlich den Glauben an ihre angestammten Götter auf. Für sie war es verständlicher, den Christengott in ihre Glaubenswelt aufzunehmen.
Als Bonifatius 725 nach Thüringen kam, war also das Christentum, dessen Verbreitung im Matthäusevangelium (Kap. 28, V. 19) festgelegt ist, bekannt: "Darum gehet hin, und ehret alle Völker, und taufet sie im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes". Dabei wandte man sich immer zuerst an die regionalen Herrscher. Sie mussten gewonnen werden, dann würde das Volk ihrem Beispiel folgen. Diese Vorgehensweise nennt man auch "Missionierung von oben".
Die Verdammung der heidnischen Kulthandlungen und die Reform der innerfränkischen Kirche waren für Bonifatius wichtige Aufgabenfelder. Denn seine Aufmerksamkeit galt sowohl den "echten" Heiden, als auch den "schlechten" Christen, wobei letztere ihm sichtlich am meisten Sorgen bereiten. 
Mit dem Aufbau einer Kirchenorganisation sicherte Bonifatius schließlich den Christianisierungsprozess ab. Die Gründung des Bistums Erfurt im Jahr 742 bildete dabei den organisatorischen Endpunkt seiner Tätigkeit in unserer Region. Die kirchliche Einbindung war gleichzeitig die Grundlage für die endgültige Integration Thüringens in das Frankenreich.

Abbildung einer runden Fibel

Für die Exposition erhielten wir außergewöhnliche, sonst in der Regel verschlossene handschriftliche Dokumente. Drei seien hier nur genannt: das reichhaltigste und prächtigste Sacramentarium Fuldense - aufgeschlagen das Messformular für den Gedenktag des Hl. Bonifatius, der 5. Juni. In feinster Buchmalerei sind eine Taufe durch Bonifatius und dessen Tod dargestellt. Dieses Objekt ist nur noch bis zum 3. Oktober im Original zu sehen!
Ein zweites selten gezeigtes Schriftstück ist die älteste Abschrift der verschollenen Ersterwähnung Erfurts aus dem 10. Jahrhundert. Zum ersten Mal in Thüringen einer der ältesten Gesetzestexte der Welt - Karolingische Kapitularien des 9. Jahrhunderts.

Die Ausstellungsmacher waren die Archäologin Gudrun Noll, Kustodin, Hilmar Ziegenrücker und Hajo Schüler, Gestalterteam sowie die Firma Bethke Projekt Werbung & Gestaltung.

Taufedarstellung und Märtyrertod des Bonifatius Älteste Darstellung Karls des Großen
Taufedarstellung und Märtyrertod des Bonifatius,
Sacramentarium Fuldense, ca. 975
Älteste Darstellung Karls des Großen,
Karolingische Kapitularien, 9. Jh.

Museumspädagogisches Begleitprogramm:

Aktionsführung durch die Ausstellung

mit Zwiegesprächen und Arbeitsaufgaben - danach praktische Tätigkeit

Klöster in Erfurt
Stadtrundgang - danach praktische Tätigkeit

Leben im Kloster
Ausstellungsführung - danach praktische Arbeit möglich

Auswahl für praktische Arbeit:
- Schreiben Taufgelöbnis oder Klosterregeln mit karolingischen Minuskeln
- Herstellen eines Idols aus Ton
- Initialgestaltung


Öffentliche Führungen werden angeboten. Hier die nächsten Termine:
Samstag, 2. Oktober, 15 und 19.30 Uhr
Dienstag, 5. Oktober, 19 Uhr 
jeden Sonntag, 3., 10., 17., 24. und 31. Oktober Öffentliche Führungen, 16 Uhr.

Vorträge: 
Archäologische Spurensuche zu Erphesfurt von den Anfängen bis zur ummauerten Stadt
mit Dr. Karin Sczech, Thüringer Landesamt für Archäologie.
Mittwoch, 27.Oktober, um 19.30 Uhr im Stadtmuseum

Die Heiligtümer vom "Oberdorlaer Rieth" Germanische Religion im Spiegel archäologischer Befunde mit Christoph G. Schmidt M.A., Thüringer Landesamt für Archäologie
Mittwoch, 10. November, um 19.30 Uhr im Stadtmuseum

 

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