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Homo doctus et sanctus - oder: Wer ist Meister Eckhart?

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Alte Stadtansicht von Erfurt

Ausstellung zum Meister-Eckhart-Jahr

Meister Eckhart (um 1260 - 1328) zählt zu den bedeutendsten Denkern  des Mittelalters. Im Jahr 2003 jährt sich zum 700. Mal die Rückkehr des Theologen, Philosophen und Mystikers in den Erfurter Predigerkonvent. Hier - wo er zuvor bereits als Prior des Klosters und Vikar von Thüringen tätig war - wurde er im Herbst 1303 zum Provinzial der Dominikanerprovinz Saxonia gewählt und nahm dieses Amt bis 1311 wahr.

Die Stadt Erfurt hat den kulturellen Schwerpunkt 2003 unter das Motto "Wege zu Meister Eckhart- Mystiker, Theologe, Europäer" gesetzt. Die Schirmherrschaft über das Meister-Eckhart-Jahr übernahm der langjährige Thüringer Ministerpräsident Dr. Bernhard Vogel. Mit der festlichen Eröffnung des Meister-Eckhart-Jahres durch den Bundespräsidenten Johannes Rau am 21. März begann eine von der Landeshauptstadt, den Kirchen, der Universität und freien Trägern getragene Veranstaltungsfolge. In diesem Rahmen unternimmt das Erfurter Stadtmuseum den Versuch, sich dem Leben der aus Thüringen stammenden , europäisch wirkenden und weltberühmten Persönlichkeit im Rahmen einer Ausstellung zu nähern. 

Die Predigten, Traktate und Bibelkommentare Meister Eckharts sind in Handschriften europäischer Bibliotheken überliefert, seine "Schüler" Johannes Tauler und Heinrich Seuse, aber auch Persönlichkeiten wie Nikolaus Kues, Friedrich Hegel, Ernst Bloch und Erich Fromm haben sich auf ihn bezogen und seit dem Ende des 19. Jahrhunderts setzte eine Flut von Veröffentlichungen ein. Trotzdem blieb die historische Person weitgehend unbekannt. So kennen wir sein Geburts- und Sterbedatum nicht und können über seine Kindheits- und Ausbildungsjahre nur spekulieren. Zudem gibt es weder bildhafte Darstellungen, noch haben sich persönliche Utensilien oder Autographen erhalten.

Dennoch versucht die Ausstellung - gestützt auf die Erkenntnisse der wissenschaftlichen Eckhart-Forschung seit 1880, als der Dominikanerpater Heinrich Denifle in der Erfurter Bibliotheca Amploniana die Namenszeile "magistri Echardi de Hochheim" entdeckte und damit die thüringische Herkunft Meister Eckharts nachwies - den "bekannten Unbekannten" als historische Person erfahrbar zu machen. Dabei stützt sich die Ausstellung auf ausgesuchte Beispiele der in Archiven und Bibliotheken Europas erhaltenen Abschriften und Sammlungen der Werke Meister Eckharts. Hinzu kommen Zeugnisse seiner Tätigkeit als Provinzial der Ordensprovinz Saxonia und Dokumente zu dem Häresieprozess, der am Ende seines Lebens gegen ihn eingeleitet wurde.

Der Spagat zwischen Ausstellungsbuget und -intension brachte es zwar mit sich, dass einige gewünschte und interessante Stücke den Weg nach Erfurt nicht oder nur als Faksimile antreten können, doch zeigt die Ausstellung eine Vielzahl der Dokumente, welche die Eckpunkte der Biographie Meister Eckharts bilden und macht diese damit erstmalig im betrachteten Zusammenhang einem breiten Publikum zugänglich.

Mittelalterliches Buch

Darunter fällt auch die Abschrift einer 1302 oder1303 in Paris gehaltenen Predigt, die sich als Vorsatz eines Handschriftenbandes in der Bibliotheca Amploniana erhalten hat und die 1880 entdeckte Namenszeile enthält. Zudem wird der "Paradisus anime intelligentes". eine in nur zwei Exemplaren überlieferte Sammlung von Texten aus dem Erfurter Predigerkloster, die 32 Eckhartsche Predigten enthält, zu sehen sein. Auch die "Reden der Unterweisung" - die Meister Eckhart für die Novizen des Erfurter Predigerklosters hielt und deren weite Verbreitung ihre große Wirkung in und außerhalb des Dominikanerordens bezeugt - werden präsentiert. Ausdrücklich sei darauf hingewiesen, dass ein Teil der Archivalien nicht über die gesamte Laufzeit der Ausstellung gezeigt werden kann und nach sechs Wochen durch Faksimiles ersetzt werden muss.

 Eine Antwort, auf die Frage, wer Meister Eckhart war, wird fragmentarisch bleiben müssen. Aber vielleicht kann die Ausstellung den interessierten Besuchern eine Tür zur Zeit und Denkweise Meister Eckharts öffnen und den Freunden des Werkes neue Einblicke in sein Leben geben. Den Kennern wird sie die Möglichkeit bieten, das eine oder andere Dokument im Original in Augenschein zu nehmen.
Letztendlich muss hier ausdrücklich auf die finanzielle Unterstützung der Ausstellung durch die Sparkassengruppe Hessen-Thüringen und das Thüringer Wirtschaftsministerium verwiesen werden, ohne deren Hilfe das Projekt nicht hätte realisiert werden können.
In die Laufzeit der Ausstellung eingebettet ist eine internationale Fachtagung, veranstaltet von der Universität  Erfurt und eine Vortragsreihe des Katholischen Forums im Land Thüringen unter dem Titel "Das Verhältnis von Lehre und Kirchendisziplin - der Prozess und Meister Eckhart"


Ilka Thom
Projektleiterin

 

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