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Sonderausstellung vom 12. September 2010 bis 2. Januar 2011

Galgen Rad und Scheiterhaufen - Einblicke in Orte des Grauens

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Rekonstruierte Richtstätte mit Galgen und Rad
Rekonstruierte Richtstätte mit Galgen und Rad
Themenpark Archeon, Niederlande

Galgen, Rad, Scheiterhaufen – diese drei Wörter reichen aus, um sich eine Vorstellung von der Grausamkeit mittelalterlicher und neuzeitlicher Gerichtsbarkeit zu machen. Entsprechen die heutigen Ansichten aber der Wirklichkeit? Was weiß man von den Prozessen, den Richtstätten, der Situation der Verurteilten? Wer waren die Richter und Henker? Was dachten und fühlten die Menschen? Wie sah der Ablauf einer Hinrichtung im Mittelalter und der Neuzeit aus? Stimmt die moderne Rezeption in Filmen mit der geschichtlichen Wirklichkeit überein?
Antworten auf diese Fragen liefert die Sonderausstellung „Galgen, Rad und Scheiterhaufen – Einblicke in Orte des Grauens“. Die Ausstellung beleuchtet das Thema Richtstätten aus archäologischen, anthropologischen, historischen und volkskundlichen Blickwinkeln.

Die von der Stiftung Neanderthal Museum in Mettmann übernommene Ausstellung wird mit Erfurter und Thüringer Forschungsergebnissen und Objekten ergänzt. Gerichtsakten, Urteile und eine Auswahl von Richtstätten aus unserem Raum werden in der Exposition zu sehen sein.
Kooperationspartner ist das Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie mit dem Museum für Ur- und Frühgeschichte in Weimar.

Leibes- und Lebensstrafen
Leibes- und Lebensstrafen
Abbildung aus: "Laynspiegel" von Johannes Schöffer, Mainz 1508

Die archäologischen Untersuchungen erschließen die Abfolge der Bestattungen und die Reihenfolge der Richtstättenbauten, wie etwa Erneuerungen oder Reparaturen an den Hochgerichten. Die anthropologischen Untersuchungen an den Skeletten geben Auskunft über Sterbealter, Geschlecht, Hinrichtungsart, Ernährungszustand und Krankheiten der Verurteilten. Selten greifen Archäologie, Anthropologie und historische Schriftquellen so ideal ineinander wie an der Fundstelle Emmenbrücke bei Luzern in der Schweiz. Hier konnten mehrere der freigelegten Skelette nach eingehender Untersuchung durch Archäologen und Anthropologen in den historischen Quellen überlieferten Personen zugewiesen werden.
Neben den üblichen historischen Exponaten werden auch ausgegrabene Skelettreste Hingerichteter gezeigt. Diese unterschiedlichen Perspektiven erlauben eine Annäherung an die Geschichte. Heute zeugen oft nur noch historische Karten und Flurnamen von den Richtstätten, die sich im Mittelalter und vor allem in der frühen Neuzeit vor jeder Stadt befanden. Archäologisch ausgegraben und untersucht wurden bislang nur wenige Richtstätten. Dort, wo Ausgrabungen stattfanden, haben sie wesentlich zum Erkenntnisgewinn über dieses düstere Kapitel europäischer Geschichte beigetragen.
Die Ausstellung schlägt einen chronologischen Bogen von den frühesten Hinweisen auf ortsfeste Hinrichtungsstätten im 13. Jahrhundert über die Zeit der Aufklärung bis zum heutigen Tag.
In vielen Gesellschaften wurden und werden als besonders schwerwiegend definierte Verbrechen mit dem Tode geahndet. Obwohl mit der Aufklärung das Recht, über das Leben eines Menschen zu richten, zunehmend in Frage gestellt wurde, dauerte es noch mindestens 200 Jahre, bis nach dem 2. Weltkrieg die meisten Staaten Europas die Todesstrafe abgeschafft hatten.
In Deutschland regelt dies Artikel 102 des Grundgesetzes: „Die Todesstrafe ist abgeschafft“.
Noch im Jahr 2008 fanden weltweit 2390 staatlich legalisierte Hinrichtungen statt. Weltweit warten etwa 20.000 verurteilte Häftlinge auf ihre Hinrichtung. Dank einer Kooperation mit Amnesty International werden diese Daten auch in der Ausstellung dokumentiert. Sie unterstreichen die Aktualität des Themas der staatlichen Vergeltung.

Zur Ausstellung erscheint ein Begleitbuch (14,90 EUR), außerdem gibt es ein Rahmenprogramm mit Vorträgen, Führungen und museumspädagogische Angebote.

Grabstätte Hans Adam Mangold Ausgrabung unter der Richtstätte Emmenbrücke
Grabstätte Hans Adam Mangold
Fundstelle Emmenbrücke bei Luzern, 1740
Kantonarchäologie Luzern
Ausgrabung unter der Richtstätte Emmenbrücke
Kantonsarchäologie Luzern
Detail Richtschwert mit Gravur 'Justiti' Detail Richtschwert mit Gravur 'Prudeti'
Detail Richtschwert mit Gravur "Justiti"
(Gerechtigkeit), 17. Jahrhundert
Erfurt, Stadtmuseum
Detail Richtschwert mit Gravur "Prudeti"
(Klugheit), 17. Jahrhundert
Erfurt, Stadtmuseum
Mittelalterlicher Pranger Abgeschlagene Hände
Mittelalterlicher Pranger
für "Ehrenstrafe"
Erfurt, Stadtmuseum
Abgeschlagene Hände
wahrscheinlich "Leibzeichen"
Erfurt, Stadtmuseum

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