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HEXEN - GERICHT Verfolgung und Prozesse der Neuzeit in Thüringen

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Blick in die Ausstellungsräume

Über 1. 200 Thüringer Hexenprozesse in 250 Jahren

Unter dem Titel "Hexen in Thüringen" war eine Sonderausstellung in Meiningen sehr erfolgreich. Nach einem Ausstellungsbesuch entschlossen sich die Mitarbeiter des Stadtmuseums Erfurt Teile dieses Projektes zu übernehmen und unter anderem um Aspekte der Hexenverfolgung im Erfurter Raum zu bereichern. 
Am 14. Mai 2004 wurde die Ausstellung eröffnet und bleibt bis zum 26. September der Öffentlichkeit zugänglich. Drei markante Abschnitte prägen das Ausstellungserlebnis: im historischen Teil wird das Phänomen Hexenverfolgung, der Prozessverlauf bis hin zur geradezu pervers anmutenden Kostenabrechnung dargestellt; in zwei weiteren Räumen arbeiteten Kinder zur Märchen-Hexe und gestalteten phantasiereich die Wände mit Kreide und Kohle. Der dritte Ausstellungsabschnitt widmet sich dem "Aberglauben" im 20. und 21. Jahrhundert. Ein Sammler aus dem Saarland stellte uns "magiebelegtes" Handwerkszeug vom Schutzbrief bis Maulschlüssel von Weisen Frauen und Männern seiner Region zur Verfügung.

Wohl kaum eine historisch verbürgte Gestalt hat die Phantasie der Menschen so angeregt wie die Hexe.
Hutzliges Kräuterweiblein mit Buckel und schwarzer Katze, die ihr um die krummen Beine streicht, in der Walpurgisnacht auf einem Besen aus dem Kamin herausfliegend - Richtung Blocksberg. Vielleicht aber auch die Braut des Teufels, lasziv verführerisch, Männer umgarnend und ins Verderben stürzend. Oder die große Zauberin, die ewige Schamanin - die Bewahrerin Jahrtausende alter Riten und Mythen, die mit ihrem uraltem Wissen zur Grenzgängerin zwischen der Welt der Lebenden und der Toten wird.
Als Kinder des gegenwärtigen okzidentalen Kulturkreises besteht unser erster Kontakt mit diesen außergewöhnlichen Frauen mit den Grimmschen Märchen. Voller Staunen und mit wohligem Grusel lauschen wir den Erzählungen der Erwachsenen von verlockenden Lebkuchenhäuschen, verderbten Zaubersprüchen und Kindsmord. Das sich so tief in unserer Psyche verankernde Bild von der Hexe schleppen wir ein Leben lang mit uns herum, zumeist ohne es je zu hinterfragen. Damit wird ein kulturelles Stereotyp ständig weiter tradiert, der seine Wurzeln in einer ausgesprochen martialischen Verfolgungswelle gegen zahllose Frauen in Europa hat. Selbstverständlich, sei entschuldigend angemerkt, sind wir uns dessen nicht bewusst und sehen in einer Hexe immer noch das böse alte zauberkräftige Weib oder den männerverschlingenden Vamp. Mindestens jedoch das Geheimnisvolle, Autonome, sich männlichen Herrschaftsstrukturen Verweigernde. 
Doch sind die Hexen etwas viel bedeutsameres und tiefergehendes - Sie stehen für die uralten Mythen und den Volksglauben. Sie stehen für die heute scheinbar unzugänglichen Erfahrungen, die die europäischen Menschheit symbolisch in Märchen, Riten und Ekstasen zum Ausdruck gebracht hat. Sie bleiben so einer der verborgenen Mittelpunkte unserer Kultur, unserer Art auf der Welt zu sein. Sie stehen für die letzte große Reise, für die Überschreitung der letzten wirklichen Grenze, die unserer Technologiewahn noch nicht überwinden konnte - für die Reise in die Welt der Toten.

Blick auf einen Ausstellungsgegenstand

Betrachtet man die Anzahl der Hexenprozesse in Thüringen vergleichend mit anderen Regionen im Römischen Reich Deutscher Nation während des 16. bis 18. Jahrhundert kann man einschätzen, dass der Thüringer Raum zu den verfolgungsreichen Gegenden gezählt werden muss - hier sind mindestens 900 Todesopfer zu beklagen. Hauptsächlich im Süden und Südwesten - im breiten Streifen von Creuzburg im Norden über den Thüringer Wald und die thüringische Rhön bis Coburg im Süden. Besonders betroffen ist das Henneberger Land (Ämter Maßfeld, Meiningen, Suhl, Schleusingen, Kaltennordheim) und das Coburger Land (Ämter Coburg, Heldburg, Hildburghausen).
Über den gesamten Hexereiprozess wurde Protokoll geführt, Beschuldigungen, Anfragen an und Antworten von den gelehrten "Schöppenstühlen" der Universitäten gesammelt, Geständnisse, Urteile sowie Berichte über den "endlichen Rechtstag" aufbewahrt. In Erfurt ist die Dokumentenlage nicht optimal. Prozessakten liegen leider nur unvollständig vor. 13 Prozesse konnten benannt werden und mindestens 9 Personen kamen danach durch Verbrennen zu Tode.


Die Ausstellungsmacher waren der Historiker und ausgewiesene Hexenforscher Dr. Ronald Füssel aus Marburg, Hardy Eidam vom Stadtmuseum und das ARTUS Atelier Erfurt-Marbach. 

Museumskino in der Ausstellung HEXEN-GERICHT Eingang zur Ausstellung
Museumskino in der Ausstellung HEXEN-GERICHT Eingang zur Ausstellung

Museumspädagogisches Begleitprogramm:

1. Hexen im Märchen
Ausstellungsgespräch - danach praktische Tätigkeit
Altersempfehlung: 5 bis 10 Jahre

2. Hexenkräuter und Zaubermix
Ausstellungsgespräch - danach praktische Tätigkeit
Altersempfehlung: ab 10 Jahre

3. Hexen in Thüringen - Phänomen und Fakten
Ausstellungsführung - danach praktische Arbeit möglich

Auswahl für praktische Arbeit:
- Schreiben eines magischen Briefes in alter Schrift oder
- Herstellen eines Amulettes


Öffentliche Führungen werden angeboten. Hier die nächsten Termine:
Donnerstag, 12. und Sonntag, 22. August
Dienstag, 7. und Donnerstag, 9. September 2004

Vortrag: Hexen und ihre pflanzlichen Gift mit Elisabeth Kintscher, Altstadt-Apotheke Erfurt
Donnerstag, 9.September, um 19.30 im Stadtmuseum

Museumswerkstatt: Hexenküche für Jung und Alt mit Helga Suß, Untermaßfeld 
Mittwoch, 15. September, 15 - 17 Uhr

 

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