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Anzüglich! Kleider machen Leute - Leute machen Kleider

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Modeausstellung: Blick in die Sonderausstellung

Anziehen, ankleiden, umkleiden, verkleiden, bekleiden ... Dazu gehören nicht nur die Ober- und Unterbekleidung sondern Schuhe, Strümpfe, Handschuhe, Frisur, Schmuck, Tücher und Schals, Krawatten sowie Make up. Männer, Frauen und Kinder unterwerfen sich bis heute bewusst oder unbewusst Normen und Trends. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Im Mittelalter legten Kleidervorschriften fest, wer was, aus welchem Material wann zu tragen hatte. Heute bestimmen Geld, Arbeitsstellung, Gruppenempfinden/ -zugehörigkeit und Designer der Textilindustrie die Modetrends. Oft wird im heutigen Modegeschäft auf historische Anregungen zurückgegriffen. Für die Frühjahrs- und Sommermode 2006 besinnt man sich in der Frauenmode auf Formen des Empire-Stils: schmale, elegante Kleiderform mit hoch angesetzter Taille und bei den Männern auf das Sakko.

Das "Anzüglich!" im Titel der Präsentation bezieht sich auf die unverzichtbare Unterwäsche und diverse Unterbauten, die über Jahrhunderte im Verborgenen blieben. Wenn sie sichtbar wurden, führte das immer zu Anstands- und Moraldiskussionen. Als bestes Beispiel fungiert das Schnürmieder oder später das Korsett. Das Tragen von Korsagen machte die Frau für den Mann begehrlich - aber diese Sehnsüchte waren z.B. Mitte des 19. Jahrhunderts nicht gesellschaftsfähig.

Die "Kleider machen Leute" im Titel erinnert an die 1874 veröffentlichte Novelle Gottfried Kellers. Durch vornehme Kleidung und ausgesuchtes Benehmen wird ein Schneider für einen Adligen gehalten - der Anzug macht´s möglich!
Kleidung, verwendete Stoffe und Schnitte, verbinden oder trennen Menschen in der Gesellschaft von einander. Kulturgeschichtlich ist dies ein spannendes Thema.

Schülerprojekt Mode

Die "Leute machen Kleider" im Titel lenkt auf die Menschen, die Kleidung herstellen.
Nach jahrelangem Wunschdenken begann im November 2004 eine fünfmonatige Arbeitsbeschaffungsmaßnahme die uns eine Schneiderin "bescherte". Frau Katrin Lehmann ging engagiert an die Aufgabe heran, die bis dahin existierenden "Bildervorträge" zur Kulturgeschichte der Mode zu beleben. Nach einer kurzen Pause kam Frau Lehmann "auf 1 EUR Basis" Ende Juni 2005 wieder zu uns ins Museum. Leider endet ihre Maßnahme Ende März 2006. Sie schneiderte bis heute 12 komplette Bekleidungen vom mittelalterlichen Bauernpaar bis zur bürgerlichen Kleidung um 1820

Die geschneiderte Männer-, Frauen- und Kinderkleidung ermöglicht anschauliche Ausflüge in die Modegeschichte. Im museumspädagogischen Begleitprogramm findet das Angebot: "Von Bilderschau über Haar frisieren bis Anprobieren". Mode im Wandel der Zeit: Ideale, Vorschriften und Mode - Torheiten von Frauen, Männern und Kindern, Anprobieren ist Pflicht!" einen festen Platz.
Die Veranstaltung beginnt mit Fragen wie zum Beispiel: Was verstehen wir unter Mode? Wer bestimmte sie in der Regel? Gibt es besondere Begriffe, die bekannt sind? Mit Bildern und historischem originalem Zubehör wird, altersspezifisch eine Reise durch die Modewelt unternommen. Wer im Anschluss möchte, kann gemeinsam mit den anderen Teilnehmern die nachgefertigten Kleidungsstücke anprobieren.

Gern würden wir noch Kleidungsbeispiele des Biedermeiers, der Gründerjahre, einen Cul de Paris, eine Tourmüre und Mode der 1920er Jahre nähen lassen. Wie heißt es im Volksmund? Man soll die Hoffnung nie aufgeben!

Wir bedanken uns an dieser Stelle bei allen Kooperationspartnern und insbesondere bei Katrin Lehmann aus Molsdorf.

 

Bauer: Rekonstruktion einer Bauernkleidung um 1300 Adel: Nachbildung einer Kleidung Ende 18. Jahrhundert
Bauer: Rekonstruktion einer Bauernkleidung um 1300 Adel: Nachbildung einer Kleidung Ende 18. Jahrhundert

 

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