Das Erfurter Münzkabinett "Aus altem Schrot und Korn"

Die Geschichte der Erfurter Münzen
Am 23 April 2006 eröffnete das Stadtmuseum ein in die ständige Ausstellung integriertes Münzkabinett. Dieses besteht aus zwei Ausstellungsteilen.
Der erste präsentiert die ca. 800-jährige Geschichte der Erfurter Münze: In erzbischöflichem Besitz wurden
seit Beginn des 11. Jh. zunächst Denare hergestellt. Ab 1125/ 30 prägte man nur von einer Seite. Es entstanden
Brakteaten, die für ca. 200 Jahre die typischen Münzen blieben.
Im Jahre 1354 erwarb die Stadt vom Erzbistum Mainz das Münzrecht. Damit verbunden war ein wachsender Einfluss
der Stadt auf den Geldverkehr und die Münzqualität. Zunächst beschränkte man sich auf das Prägen von
Pfennigwerten. 1465 und 1468 stempelte man in Erfurt fremde Groschen, um sich gegen unreelles Vorgehen
auswärtiger Münzstände zu schützen. Eine eigene Groschenprägung erfolgte erstmals 1468.
Ein numismatischer Meilenstein war die Ausgabe des ersten städtischen Talers im Jahr 1548. Insgesamt gibt es
Erfurter Taler aus drei Jahrhunderten, wobei der Höhepunkt in die Zeit zwischen 1603 und 1637 fällt.
Die Münzmanipulationen der sog. Kipper und Wipper markieren den Tiefpunkt in der Erfurter Münzgeschichte.
Seit 1619 wurde das guthaltige Silbergeld vom Markt genommen und schließlich 1621/22 durch kupfernes ersetzt.
Als der Schwedenkönig Gustav Adolf 1631 Erfurt zu seiner Residenz machte, ließ er auch vor Ort Münzen prägen,
darunter Golddukaten und Taler.
Im Jahre 1664 verlor die Stadt nach der Besitzergreifung durch Kurmainz die Münzhoheit. Erst 1675 wurden
wieder kurmainzische Münzen in Erfurt herausgegeben.
Mit der preußischen Besetzung 1802 stellte die Erfurter Münze ihre Produktion ein. Die letzten Erfurter
Prägungen sind Silbergroschen.

Die Präsentation der Erfurter Münzgeschichte entstand zum größten Teil aus der Sammlung Gerd Behr, die nach dessen Tod am 9. Dezember 2000 von der Sparkasse Mittelthüringen erworben und dem Stadtmuseum Erfurt als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt wurde. Sie umfasst insgesamt 992 Stücke und trägt nach ihrem verstorbenen Besitzer, der die Stücke in über 40-jähriger Sammlertätigkeit mit großem Engagement und wissenschaftlicher Sachkenntnis zusammengetragen hat, den Namen "Münzsammlung Behr". Sein Wunsch war, dass diese Sammlung komplett erhalten bleibt und im Stadtmuseum ihr Domizil findet. Dieser Wunsch wurde dankenswerter Weise von der Familie akzeptiert.
In einem weiteren Ausstellungsraum dokumentieren Münzfunde, die erst in den vergangenen Jahren ans Licht kamen den Geldumlauf in Erfurt. Sie geben eine Bandbreite vom Frühmittelalter bis in die napoleonische Zeit wieder. Sie alle umgibt die Aura eines großen materiellen Wertes. Wichtiger aber ist die Bedeutung eines jeden Fundes als historische Quelle. Sie spiegeln Geld- und Wirtschaftsgeschichte wieder, geben mitunter Hinweise auf Unruhezeiten vor Ort und erlauben zum Teil Rückschlusse auf ihre Besitzer. Damit ist die Palette ihrer Aussagemöglichkeiten nicht erschöpft. Aber es würde den Rahmen sprengen, hier auf alle Möglichkeiten einzugehen.
Gudrun Noll
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| Taler, 1598 | Gulden, 1622 |


