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Radegunde - Ein Frauenschicksal zwischen Mord und Askese

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Bronzekreuz
Bronzekreuz
Aquitaine (?), 2. H. 6./ A. 7. Jh.
Poitiers, Kloster Sainte-Croix

Radegunde lebte im 6. Jahrhundert; einer geistes- und weltgeschichtlich bewegten Zeit. Die Franken entwickelten sich zur politisch bestimmenden Kraft. Andererseits beherrschten die Thüringer über ein halbes Jahrhundert ein Teilgebiet Mitteleuropas. Im Jahr 531 unterlag das Königreich Thüringen dem Ansturm der Franken. Eine neue Ära begann, das Gebiet gehörte fortan zum Frankenreich. Dieser Sieg ging mit einer teilweisen Deportation thüringischer Bevölkerung einher und brachte thüringisch-fränkische Eheverbindungen.

Die wichtigste Kriegsbeute war Radegunde. König Chlothar brachte sie ins Frankenreich, ließ sie erziehen, ausbilden und heiratete sie um 540. Durch die Heirat wurden die Franken legal Herrscher Thüringens. Nach der Ermordung ihres Bruders durch Chlothar vollzog Radegunde um 555 mit dem Eintritt ins Kloster die Trennung vom Frankenkönig. Dieser versuchte mehrfach sie zurückzugewinnen, wohl aus Prestigegründen. In Poitiers gründete sie das Frauenkloster Sainte-Croix.

Engen Kontakt pflegte Radegunde zu den berühmten Dichtern Gregor von Tours und Venantius Fortunatus. Letzterer verfasste das Klagelied der Radegunde, in dem der Untergang des Thüringer Reiches emotional und dramatisch geschildert wird. Es ist der Beleg dafür, dass die Königstochter, die ihre thüringische Heimat nie wieder gesehen hat, ihre traumatischen Kindheitserlebnisse nie verarbeiten konnte.
Als eine der ersten Christinnen wagte Radegunde in einer von Männern dominierten Welt nach eigenen Überzeugungen zu leben, trotzte Standes- und politischen Zwängen.
Radegunde wurde Symbolfigur für den christlichen Glauben und einer neuen Ethik - eine Volksheilige.

Ambrosius Codex
Ambrosius - Codex
1. H. 5. Jh. - ältestes Buch Europas
Lavanttal, Stift St. Paul

Die Ausstellung versammelt erstmals einen Teil der persönlichen Hinterlassenschaften Radegundes aus dem Kloster Ste-Croix Poitiers, die Frankreich noch nie verlassen haben; archäologische Kostbarkeiten der thüringisch-fränkischen Kultur und zahlreiche bibliophile Prachtstücke, wie das älteste Buch Europas, der "Ambrosius-Codex" (1. Hälfte 5.Jahrhundert) aus dem Benediktinerstift St. Paul aus Österreich.

29 Leihgeber aus dem In- und Ausland gewähren eine Zeitreise zu den Ursprüngen unserer Kultur.

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft des Thüringer Ministerpräsidenten Dieter Althaus.

 

Lesepult der Radegunde Kasseler Handschrift der Landeschronik von Thüringen und Hessen von Wigand Gerstenberg: König Hermifrid flieht nach Schidingen
Lesepult der Radegunde
Gaule (?), E. 5. - 1. H. 6. Jh.
Poitiers, Kloster Sainte-Croix
Kasseler Handschrift der Landeschronik von Thüringen und Hessen von Wigand Gerstenberg: König Hermifrid flieht nach Schidingen
Ende 15. / A. 16. Jh.
Kassel, Universitätsbibliothek Kassel - Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek

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