Der Schatz des Priamos

Der "Schatz des Priamos" made in Erfurt - sensationelles Experiment und brisante Zeitgeschichte
Der berühmte "Schatz des Priamos" fasziniert die Menschen, erregt
die Gemüter, beschäftigt Wissenschaftler und Politiker. Denn Fama,
Zeitgeschichte und Politik sind in einzigartiger Weise mit der Aura des Goldes
verwoben.
Priamos ist bei Homer König von Troja. Heinrich Schliemann (1822-1890),
Archäologe aus Liebhaberei, nahm die Ilias des Homer mit ihren zahlreichen
geographischen Angaben wörtlich und fand unter dem Hügel von Hisarlik die
mythische Stadt, die er in selbstfinanzierten Kampagnen von 1871 bis 1890
ausgrub.
Für die Nachwelt unvergessen wurde der wissenschaftliche Außenseiter durch
seinen sensationellen Goldfund im Jahre 1873. So spektakulär der Fund war, so
abenteuerlich gestaltete sich seine weitere Geschichte. In aller Heimlichkeit
schmuggelte Schliemann den Schatz nach Griechenland und schenkte ihn
schließlich 1881 dem deutschen Volk. Noch in Athen entstand die erste
wissenschaftliche Publikation. Schliemann ließ dafür jedes Fundstück
sorgfältig fotografieren. Für lange Zeit sollten diese Veröffentlichung und
ein Katalog der Königlichen Museen zu Berlin von 1902 die einzigen
schriftlichen Zeugnisse sein.
Seit 1945 galt der legendäre Schatz nahezu 50 Jahre als verschollen. Keiner wusste, ob und wann er wieder auftaucht. Doch zum 100. Todestag des Ausgräbers wollte das Berliner Museum für Ur- und Frühgeschichte Berlin Ost mit dem Trojanischen Gold seine Besucher überraschen. Dieses ehrgeizige Ansinnen ließ zwei Erfurter, den Goldschmied Wolfgang Kuckenburg und den Silberschmied Helmut Griese ins Rampenlicht treten. Originale standen nicht zur Verfügung, an denen die allgemeine Technologie hätte studiert werden können. Dennoch wagten sie das archäologische Experiment, an Hand von historischen Fotos und Beschreibungen ausgewählte Gegenstände zu rekonstruieren. Der Schatz von Troja entstand zum zweiten Mal und viele Geheimnisse der bronzezeitlichen Goldschmiedetechniken konnten gelüftet werden.

1993 gab die russische Regierung bekannt, dass das Trojanische Gold zu
Kriegsende konfisziert und nach Moskau gebracht worden sei. Anlässlich des 175.
Geburtstages von Heinrich Schliemann präsentierte das Puschkinmuseum den lange
im Verborgenen gehaltenen, legendären Schatz.
Die Eigentumsfrage ist noch heute Teil der Auseinandersetzungen zwischen
Deutschland und Russland. Nicht zuletzt hofft die Türkei, dass die Fundstücke
dorthin zurückkehren, wo sie einst ausgegraben wurden. Ihr weiteres Schicksal
wird uns vermutlich noch längere Zeit beschäftigen.
Am 16.05.2003, zur Langen Nacht derErfurter Museen, wird die Ausstellung im Stadtmuseum Erfurt eröffnet.
Als Ausstellungsende ist der 03.10.2003 vorgesehen.
Anschließend wird der Schatz im Schloss Charlottenburg (Berlin) dauerhaft im
Troja-Saal präsentiert und steht als Leihgabe nicht mehr zur Verfügung.
Gudrun Noll
Kustodin
